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[FAQ] Tuning Kolben (die Kolbenauswahl)

    • [FAQ] Tuning Kolben (die Kolbenauswahl)

      Wie jeder weiß, kann man auch über den Kolben Mehrleistung erreichen.

      Jedoch sind die bisher angebotenen Dinger allesamt Gusskolben (kein Scherz).
      Alternativen gab es bisher nicht.

      Fährt man jetzt größere Ventile im Zylinderkopf, oder eine Nockenwelle mit mehr Hub, bleiben nicht viele Möglichkeiten.
      Entweder nimmt man ein passendes Zylinder-Kit, oder ändert der Originalkolben.

      Alternativ lässt man sich einen Kolben nach eigenen Vorgaben konstruieren und bauen.
      Dabei können einige Verbesserungen einfließen, die bei den auf dem Markt befindlichen Kolben fehlen.
      Von den Verarbeitungsqualitäten der Gusskolben (auch der Malossikolben ist ein Gusskolben) sprechen wir gar nicht.

      Bsp. Kolben aus aktueller Fertigung (für noch nicht einmal 400€)


      passend für Malossizylinder (wer unbedingt einen Aluzylinder mit Nikasilbeschichtung möchte), als auch in einem Originalzylinder den man durch Feinbohren und Honen auf eine Bohrung von 75,5mm (statt serienmäßiger 75mm) gebracht wird.
      Einsetzbar bei Originalkopf (mit Originalventilen), als auch mit dem Originalkopf (27mm Einlassventile, 25mm Auslassventile), sowie Nockenwelle mit höherem Hub.
      Die Verdichtung beim 27/25 Kopf beträgt ca.12,8:1
      Selbstverständlich ist dieser Kolben auch mit einem Originalkopf fahrbar (22/19mm Ventile). Bei einem solchen Einsatz ist die Verdichtung entsprechend höher und muss mit dickerer(n) Fußdichtung(en) erfolgen.

      Die angesprochenen Verbesserungen sind im oberen Bereich der Kolbenringe zu sehen.
      Es sind deutlich mehr Nuten vorhanden, als vermeintliche Kolbenringaufnahmen.
      Diese Nuten nenn man auch Detonationssnuten und vermindern das BlowBy

      Dazu ein paar Infos:
      Der Kloben wird ja durch das entzündete Gemisch nach unten gedrückt, dabei haben die Kolbenringe die Aufgabe, den Kolben zum Zylinder abzudichten. Nun dicht ist es auf keinen Fall, denn dazu müsste man die Kolbenringe mit so großer Kraft gegen die Zylinderwände drücken, das von einer schnellen Abwärtsbewegung keine Rede mehr ist (gilt ebenso für die Aufwärtsbewegung)
      Somit geht bei jeder Gemischentzündung auch Gas an den Kolben vorbei in das Kurbelgehäuse.
      Das nennt man "BlowBy"

      Jetzt gilt es eine Kombination zu finden, wobei man die Reibverluste versucht zu minimieren.
      Dazu dienen die bereits erwähnten Detonationsnuten.
      Auf dem Bild zwischen erstem Kolbenring und oberster Kante zu sehen.
      Diese Nuten bewirken das dort der Druck zwischen Kolben, Zylinder bereits vermindert wird.
      Die Nut zwischen 1. und 2. Kolbenring dient ebenso dazu.

      Somit entsteht weniger BlowBy und der Druck im Kurbelwellengehäuse (der muss ja auch wieder raus) steigt bei Vollgasfahrten nicht ganz so rapide an.
      Wer es nicht glaubt, kann ja mal den Kurbelgehäuseentlüftungsschlauch dicht machen, die Karre laufen lassen und dann mal den Ölstab lösen (Achtung Verletzungsgefahr)
      Der Druck im Kurbelwellengehäuse wird über den Ventildeckel in den Luftfilterkasten abgeführt (im PKW oft das gleiche Prinzip).
      Der Ölnebel tritt dicht neben der Ansaugöffnung im Luftfilterkasten aus und wird so der Verbrennung zugeführt.
      Jedoch wird nicht der gesamte Ölnebel verbrannt, ein Teil kondensiert sammelt sich in den "Nippeln" unterhalb des Luftfilterkastens.

      weitere Bilder und Gewichtsvergleich zum Malossikolben:
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      Ein Vergleich zwischen PIA-, Malossi-, Schmiedekolben folgt hier:
      Tuning Kolben (die Kolbenauswahl) ein Vergleich

      Gruß Keks

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von nimmnenkeks ()

    • Zu den Reibungsverlusten

      Wie bereits im vorangegangenen Fred angesprochen versucht man BlowBy zu minimieren und dabei trotzdem die Reibungsverluste zu minimieren.

      Das kann mit Hilfe der bereits angesprochenen Detonationsnuten erfolgen, mit anderen Kolbenringkonzepten, sowie Beschichtungen.

      Bei den Kolbenringen bietet sich die Firma Total Seal an
      TOTAL SEAL PISTON RINGS

      Deren Funktionskonzept findet ihr hier
      TechPage

      Für Beschichtungen gibt es zig Anbieter und Variationen.
      Manche verwenden nur eine Art "Einlauflack" (dieser löst sich nach ein paar Hundert Kilometern wieder ab)
      Andere bieten da Beschichtungen die mehrere 10.000Km halten.

      DLC-Beschichtungsverfahren (Achtung auch da gibt es unterschiedlichste Verfahren) sind sehr gut, allerdings auch nicht ganz so günstig.
      Denn um diese Beschichtung haltbar aufzutragen ist eine sehr sorgfältige Vorarbeit notwendig, denn allein schon die Rautiefe (Rauheit – Wikipedia) eines Bauteils ist deutlich höher als die 2mu der Beschichtung.
      Es gilt eben für den Einsatzzweck, die richtige Methode (Bearbeitung) und Auswahl des Coats zu wählen.
      DLC ist nicht gleich DLC

      Beispiel einer Kolbenbeschichtung anhand des Schmiedekolbens nach Optimierung desselben



      weitere Bilder hier:
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      Um noch ein Häubchen drauf zu setzen, kann man statt der normalen SiRis für den Kolbenbolzen, Teflonstopfen verwenden.
      Es könnte ja sein, das ein solcher Sicherungsring des Kolbenbolzens auch mal aufgibt und dann könnte sich der Kolbenbolzen in Richtung Zylinderwand bewegen, was unweigerlich zum Fresser führt.
      Das passiert mit Teflonstopfen nicht, da dieses Material entsprechende Schmierfähigkeiten hat und der Kolbenbolzen gar nicht erst bis zur Zylinderwand gelangen kann.
      Die Verwendung von Teflonstopfen hat allerdings einen Nachteil, es ist das hohe Gewicht von Teflon im Gegensatz u den SiRis.
      Somit müsste im Idealfall das Wuchtverhältnis wiederhergestellt/angepasst werden.


      Gruß Keks

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von nimmnenkeks ()