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[FAQ] Tuning Chiptuning

    • [FAQ] Tuning Chiptuning

      Das die Werksabstimmung der Einspritzanlagen immer nur zu dem entsprechenden Modell passt (125, 250, 300ccm) passt, dürfte "sollte" jedem Tuninginteressierten klar sein.

      Dazu erst einmal das Prinzip der Motorsteuergeräte (ECU's) bei der Vespa

      Die ECU's von PIA (Magneti Marelli MIU G1/G2G3) arbeiten in einem Bereich von Standgas bis ca. 5.500rpm mit einer Lambdaauswertung.
      D.h. eine Lambdasonde misst den Restsauerstoffgehalt im Abgas (Lambdasonde – Wikipedia)
      und die ECU bekommt die Information (zu fett, zu mager) in Verbindung mit anderen Sensoren.
      Bei unseren Motoren ist eine Sprungsonde verbaut (nicht so viele Informationen, wie Breitbandlambdasonde).
      In Verbindung mit der Wassertemperatur, der Drosselklappenstellung und der Drehzahl (alpha/n Steuerung) kann die ECU jetzt die entsprechend richtige Menge Sprit über die Einspritzdüse der ermittelten Luftmenge hinzufügen.
      Diese Daten bezieht sie über das so genannte Mapping.
      In diesem Mapping sind entsprechende Werte hinterlegt, die der Werksvorgabe entsprechen.

      Jetzt gibt es natürlich diese "Wunderkistchen" wie Malossi Lambda Emulator, PM-Schatzkistchen, usw., die über Veränderung der Lamdawerte der ECU ein "x" für ein "U" vormachen.
      Die ECU meint also, da muss mehr Sprit bei, also "hinein Onkel Otto", bis die Werte lt. hinterlegten Werten im Mapping passen.
      An sich ein guter Gedanke....... und wird auch von vielen Tuninginteressierten gerne angenommen (es haben doch so viele verbaut und sind glücklich damit......).... nun wer gibt schon gerne zu, das es "oben rum" gar nix bringt?

      Leider nicht bis zu Ende gedacht, denn wie bereits oben geschrieben, wird "Lambda" nur bis ca. 5.500rpm ausgewertet.
      Macht man jetzt den Gasgriff auf und kommt über eine Drosselklappenstellung von ca. über 70% und eine Drehzahl von 5.500rpm, dann werden die Werte der Lamdasonde NICHT mehr ausgewertet, sondern die ECU arbeitet nur noch in den im Mapping hinterlegten Werten.
      Sie hat also folglich keine Ahnung, ob der Kübel jetzt mehr Sprit benötigt (da Tuningteile verbaut sind), sondern arbeitet stur die Werte ab.

      So wird klar, das bei Verwendung von Tuningteilen (z.B. Zylinderkopf mit größeren Ventilen, Zylinderkopf mit besserem Flow als Original, Nockenwelle, Zylinder mit mehr ccm, AirBoxMod, Renntüte) die Karre "außerhalb der Lambdaauswertung" eben zu mager läuft.
      Eine zu magere Verbrennung ist "Heiss"
      Das kann zu kapitalen Motorschäden führen (Loch im Kolbendach, abgerissene Ventile, usw.)
      Ebenso kann man mit "mehr Sprit" auch Kühlen

      Damit der Motor also entsprechend seiner Tuningstufe das entsprechend passende Benzin/Luftgemisch/Zündung bekommt, muss ein Eingriff in die ECU erfolgen (Mapping). Diese Eingriffe können nicht durch den Freundlichen erfolgen, das erlaubt PIA nicht (auch wenn manche das beim Blick auf den Monitor der PADS-Anzeige ihrem Wunschdenken interpretieren).

      Das kann in entsprechenden Betrieben erfolgen, die sich darauf spezialisiert haben (Bsp. RexXer--------------Stützpunkt mit MAP Editor, Chip-Factory, o.ä.)
      Bei manchen der o.g. Anbieter liegt bereits ein fertiges "Standardmapping" vor (welches nach Prüfstandversuchen erstellt wurde).
      Dabei fährt man dorthin und lässt die ECU mit neuem Mapping flashen, oder schickt die ausgebaute ECU hin und bekommt sie mit neuer Firmware wieder zurück.

      oder

      man kann sogar direkt bei ihnen mit dem Kübel auf den Prüfstand und sein pers. "Individualmapping" anfertigen lassen.
      Das somit ein Individualmapping kostenintensiver ist, als das aufspielen eines Standardmappings, sollte jedem klar sein.
      Ob und welches Mapping man nehmen soll, ist wie immer eine Glaubensfrage und muss jeder für sich entscheiden.

      Damit sind die Möglichkeiten bei weitem jedoch nicht ausgeschöpft, denn die Abstimmung nach alpha/n hat auch ihren Tücken.
      Es wird schließlich die Luftmenge bestimmt (über Drehzahl, Drosselklappenstellung) und nicht gemessen!
      Somit erfolgt die Abstimmung nach "Schätzwerten" und nicht nach vorhandenen Werten.
      Die ECU der BV350 (G3) hat zwar einen eingebauten MAP-Sensor und wäre somit für entsprechende Korrekturen bei Gebirgsfahrten vermeintlich geeignet, leider nur beim Start um die entsprechende Korrektur auf die hinterlegten Tabellen anzuwenden (eine Auswertung während der Fahrt findet nicht statt).

      Würde man einen Luftmassenmesser verwenden, so hätte man "echte" Ausgangswerte und könnte somit effektiver und spritsparender unterwegs sein (auch E85 wäre kein Problem, E85 hat eine wesentlich höhere Klopffestigkeit, leider ist Verbrauch wiederum höher)
      Frei wählbare Mappings (wie bei anderen Motorrädern auch), oder gar eine automatische Umschaltung wären natürlich klasse, wird es von PIA vermutlich nie geben (eher kommt die Brennstoffzelle).


      Doch besteht die Möglichkeit, auf eine frei programmierbare Einspritzanlage umzusteigen, wie zum Beispiel einer
      Megasquirt (www.megasquirt.de), Trijekt, uvm.
      Bosch, Silent Hektik, uvm. sind ja nicht wirkliche Schnäppchen.

      Diese Einspritzanlagen können zwischen einzelnen Modi automatisch umschalten (z.B. bis "x" rpm mit MAP, ab "x" rpm nach Alpha/n, sofern kein LMM zum Einsatz kommt), sind selbst abstimmbar (man benötigt niemanden der "ins Mapping kommt") und können mit entsprechenden Sensoren kritische Bereiche überwachen und anpassen, die mit der Originalen MM MIU nicht möglich sind.

      Eine UMC1 passt sogar in das Gehäuse der Original MM MIU (auf Platine im Hintergrund, der MAP-Sensor der 38er G3)


      Als Alternative zur o.g. ECU-Body benötigt einfach eine passende Drosselklappe (z.B. von einer BMW, GSX-R aus der Bucht, oder von Jenvey jenvey.co.uk/home/standard-throttle-body-kits) mit Drosselklappensensor (TPM), die gewünschten Sensoren, wie z. B. MAP, MAF, Breitbandlambdasonde, Temperatursensoren, LMM, Klopfsensor, usw. und schon hat man eine solide Ausgangsbasis, die man selbst frei programmieren und abstimmen kann.

      Selbst mit "relativ geringer Sensoren Ausstattung" kommt man weiter (Sensoren kosten schließlich Geld und können je nach Geldbeutel nachgerüstet werden).
      Beispielsweise kann man mit MAP (hat ne UMC1 schon), MAF (auch relativ günstig), Breitbandlambdasonde (und Steuerung) sowie bereits im Original vorhandenem Wassertemperatursensor und Pick-Up-Signal schon viel effizientere Einstellungen vornehmen, als es mit der originalen ECU möglich ist.

      Natürlich sind auch so Kleinigkeiten wie ASR mit den Dingern möglich. Doch da kann man selbst entscheiden, wie die ECU, wie weit reagiert.
      Die Vespa GTS MOPF 2014 hat dieses ja ab Werk, somit sind die Grundzutaten relativ einfach zu beziehen (Triggerrad, usw.)

      Ist eine ganz interessante Alternative, allerdings nix für "mal eben" und auch nicht wirklich billig.
      Man kann z. B. Tuningstufen "nach und nach" verbauen und die Kiste zu jeder Ausbaustufe selbst abstimmen.
      Mit "AutoTune" bekommt man relativ schnell ein lauffähiges Mapping und in den Foren findet man sehr gute Unterstützung.
      Für Android, IOS gibt es auch ne APP
      Die Kosten relativieren sich allerdings (auch je nach Eigeneinsatz) in den weniger benötigten Prüfstandläufen.
      Selbstverständlich sind diese Steuerungen nicht nur für Einzyliderfahrzeugen nutzbar (Bsp. Vergaser auf Einspritzungsumrüstungen, Turbonachrüstungen, Drag, uvm.).
      Ist wirklich spannend, wie weit man mit solchen Geräten gehen kann und welche Möglichkeiten sie bieten.


      Gruß Keks

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von nimmnenkeks ()